Meine Gedanken zum neuen Referentenentwurf des Gesetzes zum Leistungsschutzrecht (hier auch zum Download)

Der neue Referentenentwurf zum umstrittenen Leistungsschutzrecht sieht nun ausdrücklich vor, dass das Gesetz nur „vor systematischen Zugriffen auf die verlegerische Leistung durch die Anbieter von Suchmaschinen“ schützen soll. Der Entwurf kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:

http://s273029319.online.de/tp/BLog/RefE_LSR_12-07-27.pdf

Blogs, aber auch alle „Unternehmen der sonstigen gewerblichen Wirtschaft“ sind jetzt nicht mehr betroffen, was seitens der Verlage teilweise heftig kritisiert wird. So schimpft Christoph Keese vom Axel-Springer-Verlag: “Anwendung nur auf Suchmaschinen geht gar nicht“, twittert er am letzten Wochenende.
Spätestens nach der Sommerpause wird die Diskussion weitergehen. Zeit also für die Verlage, darüber nachzudenken, ob ein Leistungsschutzrecht wirklich das geeignete Mittel ist, um die Einnahmesituation zu verbessern. Es fehlt vielen Verlagen an einer validen Strategie, wie die Online-Auftritte gewinnbringend gestaltet werden können. Mit der Forderung nach einem „Lex Google“ wird die Problematik nicht gelöst. Google hat jederzeit die Möglichkeit, Verlage vom Listing zu entfernen, wenn diese von Google für Klicks Geld haben wollen. Ein guter Onlineauftritt lebt von den Klicks, also dem berühmten Traffic. Umso mehr Leute eine Seite lesen, desto teurer kann eine Anzeige auf dieser Seite vermarktet werden. Also ist ein Delisting bei Google für die Verbesserung der Reichweite einer Seite eher kontraproduktiv. Verlage können bereits heute exakt festlegen, ob ein Artikel ganz, gar nicht oder mit einer kleinen Vorschauansicht (Snippet) auf Google zu sehen ist. So ist es ohne weiteres möglich, daß ein Leser nach dem Klick auf den Google-Eintrag zwar zur Seite des Presseerzeugnisses weitergeleitet wird, dann aber vor einer „Bezahlschranke“ steht.

Ich habe mich sowohl über twitter, aber auch auf einigen Veranstaltungen wie dem Twittwoch mit vielen Leuten über dieses Thema unterhalten. Diese vielfach zitierte „Kostenloskultur“ existiert genauso wenig, wie es eine homogene „Netzgemeinde“ gibt. Solange Preis und Qualität in einem fairen Verhältnis stehen, besteht auch die Bereitschaft, für guten Inhalt, heute auch  Content genannt, einen guten Preis zu bezahlen.

Fairness beruht aber bekanntlich auf Gegenseitigkeit. Mir ist bewusst, dass die Printmedien durch sinkende Abonnentenzahlen und drastisch reduzierte Einnahmen aus dem Anzeigenverkauf vor massiven Problemen stehen. So werden Redaktionen verkleinert, Inhalte in zunehmenden Maße von Agenturen eingekauft und nicht mehr selber produziert, oft auch mit schlecht ausgebildetem Personal gearbeitet. Dies schlägt sich natürlich in der Qualität der Berichterstattung durch, manches Presseerzeugnis wird für die Leser dadurch uninteressant. Heute haben wir zudem durch unzählige Blogs von engagierten und kompetenten Autoren (spontan fällt mir gerade internet-law.de von @RAStadler ein) neben den klassischen Medien weitere Möglichkeiten, uns zu informieren.

Was bedeutet dies für die Verlage? Nachdem das Internet schon mehr als 20 Jahre alt ist, muss endlich eine valide Strategie gefunden werden, wie Online- und Offlinemedien sinnvoll miteinander verknüpft werden können. Das Medium muss Lesern und Anzeigenkunden gleichermaßen gefallen. So muss zudem an der redaktionellen Qualität der Medien gearbeitet werden, dafür braucht es eben auch ordentlich bezahlte Journalisten.

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