Der “Seitenwechsel” von Daniel Bahr ist in Ordnung!

Der 22. September war wohl einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der FDP. Mit einem Zweitstimmenergebnis von 4,8 % scheiterte sie denkbar knapp an der 5 % Hürde. Damit haben die wenigsten Beobachter gerechnet.

Auch wenn sie finanziell wesentlich besser abgefedert wurden als die zahlreichen Fraktionsmitarbeiter, die arbeitslos wurden, standen jetzt auch die ehemaligen FDP Minister überraschend vor der Herausforderung, sich beruflich neu zu orientieren.

Daniel Bahr war von 2005 bis 2009 gesundheitspolitischer Sprecher der FDP Bundestagsfraktion, dann Staatssekretär im Gesundheitsministerium, danach war er Gesundheitsminister. Er war immer ein Verfechter des zweigliedrigen Versicherungssystems.

Jetzt – neun Monate nach der Amtsübergabe – wechselt er zu einer privaten Krankenversicherung. Der Aufschrei bei Opposition, manchen SPD Politikern und Verbänden wie LobbyControl ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten.

Die Aufregung über Daniel Bahrs Wechsel ist wohlfeil – und fast schon ein bisschen ärgerlich. Daniel Bahr hat als Minister Entscheidungen getroffen, von denen die privaten Krankenversicherungen profitiert haben. Aber – bitte nicht vergessen: Bahr ist in der FDP. Die FDP liebt die privaten Krankenversicherungen – dafür ist sie damals sogar von relativ vielen Menschen gewählt worden.

Bahr hat Fachwissen – im Gegensatz zu vielen Anderen

Wer jetzt Entscheidungen von 2011 oder 2012 heraus kramt und damit unterstellen will, Bahr habe damals schon seinen Wechsel zur Allianz vorbereitet, der glaubt auch an die Bielefeld-Verschwörung, Elvis Presleys heimliche Rente auf Samoa oder satanische Botschaften bei den Mainzelmännchen.

Oder andersherum: Bahr hat als Minister auch Entscheidungen getroffen, von denen die gesetzlich Versicherten profitiert haben. Darf er dann nirgendwo mehr hin? Daniel Bahr ist 37, er hat Führungserfahrung – und: Er ist sogar qualifiziert. Im Gegensatz zu vielen Anderen hat er schon Fachwissen aus dem Studium mit in sein Amt gebracht.

Bahr versilbert also nicht nur sein Notizbuch mit den viele Kontakten drin – er kann sogar inhaltlich arbeiten. Soll er deshalb in eine Branche wechseln, von der er keine Ahnung hat? Natürlich würde es Sinn machen, wenn wir endlich feste Karenzzeiten für den Wechsel von Ministern oder Staatssekretären in die Wirtschaft festlegen würden. Wir müssten dann aber auch bereit sein, diese Menschen während ihrer Auszeit zu bezahlen. Sonst laufen wir Gefahr, dass wir bald nur noch Gescheiterte und Gefahrensucher in unseren Ministerien haben. Andererseits würde das Einigen sicher auch ganz gut in den Kram passen. Dann könnten sie sich weiter über “die Unfähigen da oben” aufregen.

Leave a Reply