Bereits unter Rudolf Scharping (SPD) zog der Generalinspekteur ein verheerendes Fazit über den Zustand der Bundeswehr

Die aktuelle Debatte um die Mängel bei der Bundeswehr wird erwartungsgemäß auch parteipolitisch eingefärbt geführt. Auch seitens des Koalitionspartners gab es an der amtierenden Verteidigungsministerin und “deren vier CDU Vorgänger” deutliche Kritik zu hören. Fakt ist jedoch, dass die Missstände auch schon zu Zeiten beklagt wurden, als die SPD den Verteidigungsminister stellte.

Am 30. Januar 2002 legt der Beauftragte für Erziehung und Ausbildung beim Generalinspekteur, Brigadegeneral Dieter Löchel, dem Verteidigungsminister seinen Jahresbericht 2001 vor. Obwohl dieser Bericht als geheim eingestuft ist, wird er publik – und dokumentiert die schlechte Lage der Bundeswehr nach drei Jahren politischer Führung durch Rudolf Scharping.

Hier heißt es: „Die Entwicklung der Streitkräfte wird allgemein mit großer Sorge betrachtet“ (Seite 28) und „die Innere Lage der Streitkräfte ist angespannt“ (S. 2). Löcher mahnt: „Die Truppe steht nicht mehr vorbehaltlos hinter der militärischen Führung. Geglaubt wird dem Führer, der durch seine persönliche Präsenz vor Ort `greifbar für die Männer´ ist. Der politischen Leitung wird mit starkem Vorbehalt begegnet“ (S.2). Alarmierend sind die Äußerungen von Bundeswehrangehörigen:
„Wir haben das Vertrauen in die politische Führung verloren und Zweifel, ob die Entscheidung, Berufssoldat zu werden, richtig gewesen ist“ (S. 6).

Löchel nennt die Überlastung der Truppe, die ständigen Planungsänderungen, die ausufernden bürokratischen Abläufe und die teilweise desolate Materiallage der Truppe, die sich auch auf die Qualität der Ausbildung niederschlägt. So heißt es im Bericht, „dass sich in vielen Bereichen die personellen und materiellen Rahmen-Bedingungen, unter denen derAusbildungsauftrag durchgeführt werden muss, stetig verschlechtern“ (S. 12). Den „Streitkräften (wird) eine gesunkene Attraktivität attestiert.“ (S. 9).

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes, Ober-stabsfeldwebel a. D. Wolfang Ostermeier, kommentiert den Löchelbericht mit den Worten: „Während Minister Scharping den Menschen stets das „wichtigste Kapital“ nennt, zeigt der Bericht sehr deutlich, wie fahrlässig damit umgegangen wird“

(Quelle Deutscher BundeswehrVerband, Presseinformation Nr. 2/2002).

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