Nachtkritik zu #FragSteinmeier, dem ersten “Twitter-Interview” mit Außenminister Frank Frank-Walter Steinmeier

IMG_0510.PNG

Außenminister Frank Frank-Walter Steinmeier hat am Donnerstag gut 30 Minuten lang Fragen von Twitter-Nutzerinnen und Nutzern beantwortet. Unter dem Hashtag #FragSteinmeier konnte die Twittergemeinde “Fragen zur deutschen Außenpolitik” an den Außenminister stellen.

Steinmeier: “Das Auswärtige Amt und immer mehr deutsche Auslandsvertretungen unterhalten digitale Botschaften in den Sozialen Netzwerken. Internationale Diplomatie findet immer stärker auch im Web 2.0 statt. Ich freue mich auf mein erstes Twitter-Interview und bin gespannt auf diesen digitalen Austausch zur deutschen Außenpolitik”

Mit der Eingrenzung auf “Fragen zur deutschen Außenpolitik” wollte Steinmeier wohl den zu erwartenden Fragen seiner Beteiligung in der NSA Affäre aus dem Weg gehen.

Dennoch bezogen sich die meisten der im Vorfeld (oftmals identisch formulierten) Fragen genau um diesen Themenkomplex. Dies war zu erwarten, verwundert aber doch in Anbetracht der vielen internationalen Krisen, von der Ukraine über Ebola bis hin zum IS Terror. Wenn man in diesen Tagen mit Diplomaten aus dem befreundeten Ausland spricht, können die ihre Verwunderung (und Besorgnis) über diese “German Nabelschau” kaum verhehlen.

Insofern war das heutige Twitter-Interview mit Steinmeier ein interessantes Experiment, welches aber auch die Grenzen dieses Mediums aufzeigte. Im Gegensatz zu einem Fernsehinterview konnte sich hier der Außenminister aussuchen, auf welche Fragen er antwortet. Es wäre besser gewesen, wenn es einen Moderator gegeben hätte, der die Fragen sichtet und dann dem Minister – und nicht seinem Pressereferenten- vorlegt.

IMG_0504-2.PNG

Wenigstens konnte der Leser auch erkennen, welchen Fragen ausgewichen wurde. Diese Fragestunde fürs Volk wurde leider auch von Journalisten (RP Online, Tagesschau.de) und Politikern (Volker Beck) genutzt und damit für deren Selbstdarstellung zweckentfremdet.

IMG_0503.PNG

Ohne Moderator waren keine Nachfragen möglich, so reduzierte sich das Ganze auf ein monotones Frage-Antwortspiel mit einem überschaubaren Erkenntnisgewinn.

Wie es besser geht, zeigte beispielsweise die “Digitale Bürgersprechstunde” mit Dorothee Bär:

IMG_0511.PNG

Der Verein “politik-digital e.V.” veranstaltet regelmäßig digitale Bürgersprechstunden. Am 24.6. stellte sich die Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Dorothee Bär den Fragen der Nutzer per Google-Hangout. Bei diesem Event konnten Fragen “live” an Dorothee Bär gerichtet werden, die diese dann spontan beantwortet hat.

Leave a Reply