Den ehrbaren Kaufmann leben: IHK unterstützt Textilsiegel: „Gemeinsam das Umdenken fördern“

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will weitere Katastrophen in den Textilfabriken Asiens und Bangladeschs verhindern. Er will ein nationales Bündnis für nachhaltige Textilien schmieden. Künftig sollen soziale und ökologische Mindeststandards für die komplette Produktions- und Lieferkette gelten. Im Januar 2015 soll das Bündnis mit einem Verbraucherportal an den Start gehen. Nachhaltig hergestellte T-Shirts, Pullis und Hosen sollen mit einem „grünen Knopf“ für den Verbraucher deutlich gekennzeichnet werden. Unabhängige Kontrolleure sollen für Glaubwürdigkeit sorgen.

Bislang kassiert Müller für sein Vorhaben viel Kritik. Zu Unrecht, meint Gertrud Oswald, CSR-Verantwortliche der IHK.
„Das Textilsiegel hilft, das nötige Bewusstsein zu schaffen. Hier sind auch die Verbraucher in der Pflicht. Wer ein Hemd für 3,99 Euro kauft, muss wissen, welchen Preis andere dafür bezahlen“, erklärt Oswald. Sie hält das Textilsiegel für einen Schritt in die richtige Richtung – auch wenn die Umsetzungsprobleme des ambitionierten Vorhabens beträchtlich seien. „Zeit Online“ zitiert Branchenschätzungen, wonach heute 140 Firmen an der Produktion und Lieferung eines simplen Männer-Oberhemds mitwirken. Auch deshalb lehnt Oswald die Forderung der Linksfraktion nach gesetzlichem Zwang ab. „Regulierung provoziert Widerstand, schafft Bürokratie und ist überflüssig. Gerade der Mittelstand ist bereit, Verantwortung zu übernehmen“, betont die CSR-Fachfrau.

Eine Umfrage des IW-Köln unterstreicht ihre Aussage. Rund 71 Prozent von 131 befragten Unternehmen schauen bei ihren Zuliefer-Firmen genau hin. Ganz oben steht dabei die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards. „Dass wir viele noch nicht im Boot haben, hat einen Grund: In dieser Branche ist der Preiskampf besonders hart. Gerade deshalb ist Müllers Siegel wichtig. Wir müssen gemeinsam das Umdenken fördern“, sagt Oswald.

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