VW-Abgasskandal: TÜV und ADAC erheben schwere Vorwürfe gegen Bundesministerien

Der TÜV sieht beim VW-Abgasskandal eine Mitschuld der Politik. Diese habe Prüfern auf Drängen der Automobilindustrie untersagt, die Motorsoftware zu untersuchen.

Konzernzentrale der TÜV NORD GROUP in Hannover © TÜV NORD GROUP/Regine Rabanus

Konzernzentrale der TÜV NORD GROUP in Hannover © TÜV NORD GROUP/Regine Rabanus

Das sagte TÜV-Nord-Chef Guido Rettig der “Welt”. Und: “Wir haben jahrelang darauf hingewiesen, dass die Motorsoftware Teil unseres Prüfauftrags werden muss. Ohne Erfolg.” Die Autoindustrie habe auf den Schutz von Betriebsgeheimnissen verwiesen. Die zuständigen Bundesministerien hätten im Sinne der Autokonzerne entschieden.

“Wir haben leider gesetzlich keinerlei Möglichkeit,Einblicke in die Motorsteuerung und die dort verbaute Software der Fahrzeuge zu nehmen”, sagte Rettig. “Aus diesem Grund hatten unsere Sachverständigen keine Chance, die Manipulationen bei Stickoxiden von Dieselfahrzeugen zu erkennen.” Ein Fehlverhalten des TÜV liege nicht vor. Für die Zukunft empfahl Rettig, dass die Typenzulassungen nicht mehr von den Herstellern beauftragt werden, sondern vom Kraftfahrtbundesamt. “Dann hätten sich alle Spekulationen über eine angeblich zu große Nähe zwischen Prüfern und Fahrzeugherstellern erledigt.”

Zusätzlich sollte das Regelwerk so erweitert werden, dass die Prüforganisationen die Motorsoftware anschauen dürfen. “Auch der Fahrwiderstand des Fahrzeugs auf der Rolle darf in Zukunft kein Wert mehr sein, der von den Herstellern selbst ermittelt und dem TÜV lediglich mitgeteilt wird”, fordert Rettig. “Den wollen wir schon selber feststellen dürfen.”

Kritik auch seitens des ADAC

ADAC-Präsident August Markl Quelle: dpa

ADAC-Präsident August Markl Quelle: dpa

Ähnliche ‘Kritik äußerte Anfang Oktober auch der neue Präsident des ADAC, Dr. August Markl. Seit fast 15 Jahren führt der ADAC eigene Test in einem eigenen Labor in Landsberg durch. Auch hier wurden erhebliche Diskrepanzen bei den Emissionswerten festgestellt. Das zuständige Bundesverkehrsministerium habe entsprechende “Meldungen lediglich zur Kenntnis genommen, aber nicht darauf reagiert.

Nach dieser Kritik heißt es nun heißt es aus der Regierung: Vielleicht dürft ihr das bald
Die Bundesregierung erwägt als Konsequenz aus der VW-Abgasaffäre, die Prüf-Befugnisse des TÜV und anderer unabhängiger Prüfer auszuweiten. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums (BMVI) sagte, eine Arbeitsgruppe gehe bereits der Frage nach, ob eine Offenlegung der Motor-Steuerungssoftware Teil der EU-Gesetzgebung sein könnte.

Angesichts der vorliegenden Fakten verwundert die dann folgende Kritik des BMVI: “Neben der Frage der Stickoxide gibt es aber auch die der CO2-Werte. Hier möchte die Bundesregierung von den Prüfunternehmen wissen, warum die falschen CO2-Angaben von VW von ihnen nicht erkannt worden seien.”

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