EBook-Reader: Tolino überholt erstmals Kindle

Deutsche Unternehmen haben sehr wohl eine Chance, den scheinbar übermächtigen Rivalen Amazon Relation Browser vom Thron zu stoßen – zumindest am EBook-Reader-Markt. Wie der Buchreport berichtet, verkauft die Allianz aus der Deutschen Telekom, Bertelsmann und Weltbild erstmals mehr E-Reader als Amazon.

Zugunsten des Tolino verliert Amazon Kindle Marktanteile
Nach Zahlen der GfK Relation Browser hatte der deutsche Tolino im 3. Quartal 2014 einen Marktanteil von 45 Prozent – 7 Prozentpunkte mehr als im Quartal zuvor. Amazons Kindle kam nur noch auch 39 Prozent Marktanteil in Deutschland. Die Zahlen stammen laut Buchreport aus einer Verbraucherbefragung.

Die Tolino-Allianz verlauft ihre E-Reader mittlerweile auch ins Ausland, berichtete Klaus Renkl, der das Tolino-Projekt bei der Telekom vorangetrieben hatte, auf einer Konferenz: Zum Beispiel gibt es Kooperationen mit belgischen, niederländischen und italienischen Filialisten und Buchhandelskooperativen.

Test: Im Vergleich mit dem Edel-Reader Kindle Voyage hält sich der zweite Tolino Vision wacker.

Tolino Vision 1 und Vision 2

Der neue Tolino Vision 2 (rechts im Bild) macht auch optisch eine bessere Figur als sein Vorgänger

Zwei wichtige Neuerungen bringt der Tolino Vision 2 im Vergleich zum Vorgänger mit: Der nun für 149,90 € unter anderem bei Thalia und Hugendubel erhältliche Reader ist wassergeschützt. Man kennt das von Tablets und Smartphones von Herstellern wie Sony und Samsung. Das Gadget übersteht also den Fall in die Badewanne und feuchte Taschen im Regen. Ausserdem hat die Tolino-Allianz eine Funktion entwickeln lassen, die sie tap2flip nennt: Man kann durch Antippen der Rückseite umblättern. Das ist fürs einhändige Lesen praktisch. Allerdings muss man sich daran gewöhnen. Und mit kleinen Händen bleibt es schwierig.

Das Display des Tolino Vision 2 ist mit 1024 x 758 Bildpunkten und 212 ppi hervorragend. Übertroffen wird es nur vom Bildschirm des Edel-Readers Kindle Voyage. Amazon verlangt für diesen allerdings mindestens 189,00 €. Der grösste Web-Versandhändler verbaut dafür ein Display mit 1440 x1080 Pixeln (300 ppi) und mit Sensoren neben dem Bildschirm, die beim Umblättern ein kurzes Feedback geben. Ein weiteres Abgrenzungsmerkmal ist die Möglichkeit, die Helligkeit automatisch regulieren zu lassen.

Was die Dienste anbelangt, hat Amazon etwa die Flatrate Prime und die Family Library, also das Teilen von Büchern über mehrere Accounts, im Angebot. Dafür ist der zweite Tolino Vision wie gehabt offener gehalten – etwa für den Einkauf in anderen Online-Shops. Einzigartig ist die Die Telekom HotSpot Funktion. Sie bietet auf Tolino Vision 2 an nahezu 40.000 HotSpots kostenlosen WLAN-Zugang. Man kann also an zahlreichen Bahnhöfen, Flughäfen oder Cafés im eBook-Shop nach sich mit neuem Lesestoff ganz ohne zusätzlichen PC versorgen. Amazon bietet sein Flagschiff mit einer auch mit einer kostenlosen 3G Funktion, dies ist natürlich bequemer, funktioniert auch im Ausland, ist jedoch mit 249,00 € auch wesentlich teurer

Fazit

Der Tolino Vision ist kein Reader für Einsteiger. Für den Aufpreis bekommt man aber sinnvolle Neuerungen. Bei tap2flip sollten die Entwickler nachbessern. Markt- und Innovationsführer im eBook Segment bleibt jedoch Amazon.

Amazon Fire Phone: Ein Flop mit Ansage

Amazon hat seine Anleger mit den neuen Quartalszahlen enttäuscht, die Aktie sank nachbörslich um fast zehn Prozent.
Der Online-Händler hat im vergangenen Quartal einen Verlust in Höhe von 437 Millionen Dollar (345 Millionen Euro) gemacht. Einer der Gründe für diese Entwicklung ist das Fire Phone, Erstmals hat das Unternehmen eingestanden, dass das neue Fire Phone gefloppt ist.

Final-60

Die “Süddeutsche Zeitung” brachte es in ihrem Testbericht gut auf den Punkt: Mit dem Smartphone kann man telefonieren, im Internet surfen und fotografieren – vor allem aber: verführerisch einfach shoppen: Als zusätzlichen Verkaufsanreiz gibt es ein Jahr lang kostenlos Amazon Prime. Das ist der Rund-um-sorglos-Service des US-Riesen für Medieninhalte wie Filme und E-Books sowie einer kostenlosen und schnellen Lieferung von bei dem Online-Versandhändler bestellten Waren.

Es wurde in Fachkreisen vermutet, dass Amazon wie beim Kindle nicht mit dem Verkauf der Hardware Geld verdienen will sondern mit den Inhalten. Denn es führt die Kunden tief in die Produktwelt von Amazon. Das Fire Phone ist ein weiterer Baustein im Ökosystem (Tablets, E-Book-Reader, Fernsehbox) des einst als Online-Buchhändler gestarteten US-Riesen.

Dafür hat das Fire Phone die Funktion “Firefly” – eine Art audiovisuelle Suchmaschine. Sie erkennt auf Knopfdruck Bilder, Filme, Lieder, aber auch Millionen von Produkten. Wer will, kann den entsprechenden Artikel per Knopfdruck in seinen Amazon-Warenkorb legen – und kaufen.

Insofern waren die recht ambitionierten Verkaufspreise nicht nur für mich überraschend. Ohne Vertrag kostet das Gerät bei Amazon in der günstigsten Version 449,00 €, allerdings wird das Gerät mit SIM Lock ausgeliefert, es werden lediglich Telekom Verträge akzeptiert, Karten von Xtra oder Congstar explizit nicht. Das Entsperren des Gerätes ist nur gegen eine Zuzahlung von 100 € möglich.

Zum Vergleich die Kollegen im Amazon Ökosystem: Einen Kindle eBook Reader ist bereits für knapp 50€ zu haben, das FIRE HD 7″ ist mit knapp 100 € ebenfalls recht günstig (bei letzterem gibt es jedoch Alternativen mit einem besseren Preis-/Leistungsverhältnis)

Ich habe mir das Fire Phone ein wenig genauer angesehen, um zu sehen, ob der Preis durch die angepriesene innovative Technik gerechtfertig werden kann:

Eine Neuerung ist die “Dynamic Perspective”, die eine Art 3-D-Effekt simuliert. Sensoren im Smartphone erkennen, wie der Nutzer das Gerät hält und wohin er sieht. So lässt sich der Bildschirm automatisch scrollen, ohne ihn zu berühren. Zudem gibt es Spiele, die sich entweder durch Kippen oder durch Augenbewegungen steuern lassen. Eine nette Spielerei, die aber schnell ihren Reiz verliert.

Zusätzlich hat das Fire Phone, wie auch die Amazon Tablets einen Mayday-Knopf. Mit dieser Hilfe-Funktion erreicht der Kunde per Videostreaming den Kundenservice. Täglich besetzt, beantworten hier Amazon-Mitarbeiter Fragen zu Problemen mit dem Smartphone oder bei Bestellungen. Und wer Fragen zu seinem Telekom-Tarif hat, soll hier ebenfalls Antworten bekommen.

Sonst bietet das Telefon nichts aufregenderes, die Kamera ist gutes Mittelmaß. Im Gegensatz zu den meisten Android Geräten bietet das Fire Phone keinen Micro SD Erweiterungsslot. Um den Gedanken des eigenen Ökosystems zu pflegen, läuft wie bei den Amazon Tablets das auf Android basierende Fire OS. Die für mich relevanten Apps sind verfügbar, generell ist die Auswahl an Apps jedoch wesentlich geringer als bei Android. Die Benutzeroberfläche ist intuitiv, da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht, die virtuelle Tastatur ist zumindest für meine Finger eindeutig zu klein.

Das Fire Phone besitzt wie das iPhone 5s ein 4,7 Zoll großes Display, die Bedienung mit einer Hand ist also noch möglich. Dennoch wirkt das Gerät für eine solche Bildschirmdiagonale doch etwas groß.

Das Fire Phone ist nicht unbedingt das, was man als highend klassifizieren würde. Die technischen Spezifikationen sind eher der oberen Mittelklasse zuzuordnen und keineswegs dazu geeignet, dem Gerät zu einem Kultstatatus zu verhelfen. Die besonderen Features geben dem Gerät zwar ein Alleinstellungsmerkmal, im Alltag geraten diese aber schnell in Vergessenheit oder erweisen sich als zu wenig zuverlässig, als das man sie wirklich nutzen möchte. Das Fire Phone ist ungefähr sexy wie ein VW Passat.

Ich habe mir das Gerät in zwei großen Münchner Telekom Shops angesehen. Die Verkäufer haben mir bestätigt, dass das Interesse am Fire Phone verschwindend gering ist, der Preisabstand zum iPhone ist überschaubar, bessere Android Geräte gibt es einige. Das Gerät war somit ein Flop mit Ansage und resultiert aus der Selbstüberschätzung, sich mit Apple auf einer Stufe zu sehen. Apple Devices werden wegen ob ihres Designs und Kultstatatus gekauft. Amazon wird genutzt, weil es praktisch und bei vielen Technikartikeln sehr günstig ist, nicht weil es geliebt wird.

Amazon hat mit dem Kindle Maßstäbe gesetzt, es gibt kaum etwas besseres auf dem Markt. Dieser Erfolg läßt sich auf den anderen Produktsegementen nicht wiederholen. Da wird die Begrenzung auf das eigene Ökosystem zu einem Hemmschuh.

Eine zu große Diversivikation ist oft nicht zielführend, das haben schon andere Unternehmen vorher erfahren. Wenn sich Amazon auf seine Kernkompetenzen zurückorientiert, wäre das für seinen Ertrag und auch für das nicht nur in Deutschland angekratzte Image gleichermaßen hilfreich.