DIHK legt Papier zur Flüchtlingsintegration vor

Bei ihrem Einsatz für die Eingliederung asylsuchender Menschen stehen Kammern und Betriebe vor vielen Hürden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat elf Vorschläge zusammengestellt, die das Engagement der Wirtschaft erleichtern sollen.

Noch stünden die Betriebe vor vielen Hürden, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks am Freitag in Berlin. Aus seiner Sicht wäre zum Beispiel „ein kontinuierlicher Ansprechpartner für junge Geflüchtete vor und während der Ausbildung bei der Integration sehr hilfreich“.

Ziel des achtseitigen Papiers sei es, das Engagement der Wirtschaft bei der Integration durch Ausbildung und Beschäftigung weiter zu erleichtern, erläuterte Dercks. Im vergangenen Jahr habe die Politik dazu zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, die allerdings bundesweit sehr unterschiedlich umgesetzt würden. Dercks nannte zum Beispiel die Duldung von Flüchtlingen während ihrer Ausbildung. Zusätzliche Probleme bereiteten lange Asylverfahren und Wartezeiten bei den Sprachkursen.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, wirbt der DIHK deshalb unter anderem dafür, besser über die Zugänge zur Ausbildungsduldung zu informieren sowie die Flüchtlinge vor und während ihrer Ausbildung durch qualifiziertes Personal dauerhaft zu begleiten. Auch sollte der Berufsschulunterricht bereits während der einer Ausbildung vorgeschalteten Einstiegsqualifizierung sichergestellt sein, hieß es.

Behörden sollen Wohnsitzauflagen flexibel handhaben

Wichtig sei es für viele Firmen auch, dass die örtlichen Behörden die Wohnsitzauflage für Flüchtlinge „unbürokratisch und flexibel handhaben“, denn viele Branchen seien auf mobile Mitarbeiter angewiesen.

Für das Aktionsprogramm „Ankommen in Deutschland – Gemeinsam unterstützen wir Integration“ hat die IHK-Organisation im vergangenen Jahr 20 Millionen Euro investiert. „Dieses Engagement wird 2017 weiter verstetigt, wofür noch einmal 15 Millionen Euro bereitgestellt werden“, heißt es in dem Papier, 160 Mitarbeiter beraten und unterstützen demnach sowohl Unternehmen als auch Flüchtlinge.

Quelle : epd

DIHK hat “Große Sorge über TTIP-Diskussion

Eric Schweitzer

Eric Schweitzer

Seine “große Sorge” über die Diskussion hierzulande rund um das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA hat Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), am Mittwoch vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie des deutschen Bundestages zum Ausdruck gebracht. Schweitzer betonte, dass es Deutschland “am meisten schaden” würde, sollte das Abkommen scheitern.
Es könne schwerlich verhandelt werden, wenn im Vorfeld jede Position veröffentlicht werde, meinte er angesichts der unterschiedlichen Haltungen der Fraktionen zu TTIP, die bei der Sitzung bekräftigt wurden. Aus den Vorstellungen beider Seiten müsse eben ein Kompromiss gebildet werden. Derzeit werde teilweise öffentlich über Positionen geredet, die noch gar nicht verhandelt worden seien. Die Treffen müssten “ergebnisoffen” geführt werden. Man solle das Abkommen “daran messen, was herauskommt”.
Der DIHK gehöre gleichwohl “nicht zu denjenigen, die TTIP um jeden Preis haben wollen”. Es dürfe “keine Absenkung der Standards” im sozialen, ökologischen und verbraucherpolitischen Bereichen geben. Allerdings gab Schweitzer zu bedenken, dass solche Standards ja auch längst nicht in allen Mitgliedsstaaten der EU gleich seien, wie er als Unternehmer selbst zu spüren bekommen habe. Der Berliner managt zusammen mit seinem Bruder die Alba-Group.
Schweitzer bekundete sein “Vertrauen” in die EU-Verhandler. Die Exporteure seien “überwiegend” für TTIP, meinte er – und verwies auf eine “mittelstandsfreundliche Ausprägung” des beabsichtigten Vertragswerks.
Der DIHK-Präsident warb für das Freihandelsabkommen vor dem Hintergrund der großen Bedeutung des Exports als “Basis für Wohlstand und Arbeitsplätze” in Deutschland. Da wirkten sich Zölle und andere Barrieren und Restriktionen im Handel besonders negativ aus. Schon die internationalen Krisen seien deutlich zu spüren: “Bei jedem Konflikt ist Deutschland wirtschaftlich dabei” – durch Einbrüche beim Export.
“Kein gutes Zeichen” sei zudem der niedrige Ölpreis. So sehr sich die Verbraucher darüber derzeit freuten, so negativ seien die Auswirkungen “mittel- bis langfristig”. In den Öl-Förderländern gingen zum Schaden für die deutschen Exporteure die Investitionen zurück.
Schweitzer strich heraus, dass sich DIHK und die 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland “sehr engagieren” bei der Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. 120 Mitarbeiter und ein Budget von 20 Millionen Euro stünden für die Ansprache der Flüchtlinge bereit, wobei das Sprachhindernis das größte Problem sei.
Gutes Zeichen sei, dass 70 Prozent von ihnen im erwerbsfähigen Alter seien, die Hälfte unter 25 Jahre alt. Allerdings dämpfte Schweitzer zu große Erwartungen. Es sei “ein langer Weg” zu gehen. Die Unternehmen seien aber dazu bereit.
Erfahrungen zeigten, dass nach einem Jahr zehn Prozent der Flüchtlinge im Arbeitsmarkt Fuß gefasst hätten, nach fünf Jahren 50 Prozent, nach 15 Jahren 70 Prozent. Wobei ein Punkt besonders wichtig sei: “Sprache ist die Mutter des Ganzen.”
Die Bemühungen in Deutschland um den Ausbau der Digitalisierung nannte Schweitzer “deutlich zu gering”. Es müsse “mehr investiert” werden. Er bemängelte, dass in der EU 28 unterschiedliche Standards im digitalen Bereich gebe – eben ganz im Gegensatz etwa zum nordamerikanischen Raum.