Deutsche und Franzosen für mehr Klimaschutz

IMG_1027.JPGAngesichts der Gefahren des Klimawandels haben deutsche und französische Parlamentarier am Mittwoch bei einer gemeinsamen Sitzung in Paris ein engagierteres Eintreten zur Reduzierung der Treibhausgase und der Förderung erneuerbarer Energien gefordert. Insbesondere an die EU-Kommission appellierten sie, zu diesem Zweck die Mittel aus der vom Europäischen Rat beschlossenen Investitionsinitiative zu mobilisieren. Die Investitionen sollten vor allem der Energieeffizienz und dem Aufstieg erneuerbarer Energien zur wichtigsten Energiequelle dienen.

Mit Blick auf den UN-Klimagipfel Ende 2015 in der französischen Hauptstadt sprachen sich die Parlamentarier beider Staaten für ein „umfassendes und faires“ Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen nach dem Jahr 2020 aus. Das Abkommen solle alle Staaten in die Pflicht nehmen. Insbesondere die großen Emittenten seien für einen wegweisenden Erfolg des Klimagipfels verantwortlich.

Die deutsche Delegation des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit traf sich in der Assemblée Nationale, dem Sitz des französischen Abgeordnetenhauses, und beriet in Paris mit den Kollegen der französischen Kommission für nachhaltige Entwicklung und Raumordnung. Vor dem Hintergrund der anstehenden UN-Klimaschutzverhandlungen wollen sie sich frühzeitig über die nationalen Entwicklungen und nationalen Initiativen austauschen und so den UN-Verhandlungsprozess aktiv begleiten. Der deutschen Delegation unter Leitung der Ausschussvorsitzenden Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen) gehörten Anja Weisgerber und Andreas Jung (beide CDU/CSU), Matthias Miersch und Klaus Mindrup (beide SPD), Eva Bulling-Schröter (Die Linke) sowie Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) an.

Alle Abgeordneten waren sich darüber einig, dass Deutschland und Frankreich eine besondere Verantwortung zukomme, in Europa „im Klimaschutz beispielhaft voranzugehen“, wie es François Dubois, Abgeordnete der regierenden französischen Sozialisten (PS) stellvertretend formulierte. „Klimaschutz muss nicht nur eine Aufgabe sein, sondern eine Herzensangelegenheit“, forderte Andreas Jung. Für eine umweltpolitische Revolution sei kein geeigneterer Ort denkbar als Paris, führte Jung fort. Europa sei aber nur stark, wenn der deutsch-französische Motor stark sei. Dieser Motor müsse ökologisch sein.

Sein SPD-Kollege Matthias Miersch zeigte sich überzeugt, dass die deutsch-französische Freundschaft ausschlaggebend sei, um Klimaschutz-Initiativen auf internationaler Ebene auszulösen. In einer gemeinsamen Erklärung setzen sich Deutsche und Franzosen dafür ein, Treibhausgase bis Mitte dieses Jahrhunderts um 80 bis 95 Prozent zu senken. Dafür sei ein Technologietransfer auch in andere Staaten notwendig.

Bärbel Höhn mahnte, dass bereits heute Klimaveränderungen und Extremwetterlagen sichtbar seien. Es sei billiger, jetzt für den Klimaschutz einzutreten, als später gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen. „Wenn wir so weiter machen wie bisher, haben wir in wenigen Jahren so viel CO2 ausgestoßen wie wir in der ganzen Zukunft ausstoßen dürfen, um den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu beschränken.“

Den Abgeordneten und der Bevölkerung in Frankreich machte Höhn Mut, den eingeschlagenen Weg zu einer Energiewende fortzuschreiten. In Deutschland seien durch die Förderung erneuerbarer Energien 400.000 Arbeitsplätze entstanden. „Wir haben also auch etwas für die Wirtschaft getan“, sagte die Vorsitzende des deutschen Umweltausschusses.

Das im Oktober beschlossene französische Gesetz über die Energiewende sieht insbesondere vor, den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung von heute 75 auf 50 Prozent bis 2025 zu reduzieren. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll verdoppelt werden.

Höhn wie auch die Abgeordnete der Linken, Eva Bulling-Schröter, fordern die Abschaltung der deutschen Kohlekraftwerke. Bulling-Schröter hält dies für unabdingbar, da neun der 30 schmutzigsten europäischen Kohlekraftwerke in Deutschland stünden. Rücksichtnahme auf die Wählerklientel insbesondere in Nordrhein-Westfalen, wo zahlreiche dieser Kraftwerke stünden, sei fehl am Platz.

Bei der Verbesserung der Energieeffizienz kommt öffentlichen Gebäuden nach Überzeugung der beiden Ausschüsse eine Vorreiterrolle zu. Die EU müsse in den nächsten Jahren Antreiber der internationalen Klimaverhandlungen sein, die G7-Staaten den Klimaschutz zu einem Schwerpunkt machen.

Quelle:
Deutscher Bundestag
Parlamentskorrespondenz

Umweltfreundlich mobil – Münchner Firmen zeigen, wie’s geht

Grüne MobilitätDas Referat für Arbeit und Wirtschaft hat heute sechs Betriebe ausgezeichnet, die erfolgreich am Förderprogramm Betriebliches Mobilitätsmanagement München (BMM) 2014 teilgenommen haben. Mit dem Förderprogramm unterstützt die Landeshauptstadt Unternehmen bei der Optimierung ihrer Verkehre.

Von Januar bis Juli nahmen folgende Firmen aus der Landeshauptstadt und dem Landkreis München erfolgreich an der neunten BMM-Runde teil:

GEWOFAG Holding GmbH, Q_PERIOR AG, Staatliches Hofbräuhaus in München, Stadtsparkasse München, Swiss Re Europe S..A. und die Sympatex Technologies GmbH.

Die Unternehmen haben vielfältige Maßnahmen zum Management ihrer Verkehre ergriffen:

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG entwickelt ganzheitliche Mobilitätskonzepte nicht nur für ihre eigenen Beschäftigten (zum Beispiel zur Nutzung von Diensträdern), sondern auch für die Mieterinnen und Mieter ihrer Liegenschaften. Dadurch lässt sich das Potenzial für das Mobilitätsmanagement deutlich steigern.

Die Q_PERIOR AG hat die eigenen Reiserichtlinien überarbeitet. Nicht Restriktionen und Regularien, sondern Information und Motivation zur ressourcenschonenden Nutzung von Verkehrsmitteln stehen dabei im Vordergrund.

Das Staatliche Hofbräuhaus in München wird „elektromobil“ Für die notwendigen Fahrten im Stadtgebiet kommt ein Elektro-Pool-Fahrzeug zum Einsatz, das über eine Solaranlage der Brauerei geladen werden soll.

Die Stadtsparkasse München setzt auf verbesserte Information und Motivation der Beschäftigten zur Mitarbeitermobilität. Über ein eigenes Portal im Intranet stehen nun alle Mobilitätsinformationen gebündelt zur Verfügung.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Swiss Re Europe S.A. müssen ihre Pendelwege demnächst völlig neu organisieren. Das Unternehmen zieht 2015 von Unterföhring in die Arabellastraße in Bogenhausen. Der neue Firmensitz ist bestens mit Verkehrsmitteln des ÖPNV erschlossen. Um deren Nutzung zu fördern, werden die Beschäftigten einen großzügigen Zuschuss zum MVV-Jahresticket erhalten.

Die weltweit agierende Sympatex Technologies GmbH wird ihre internationale Reisetätigkeit noch besser organisieren und terminlich abstimmen. So lässt sich die Anzahl der Transkontinental-Flüge und damit auch der ökologische Fußabdruck erheblich reduzieren.

Gemeinsam haben die sechs Betriebe mit ihren insgesamt rund 3.450 Beschäftigten viel erreicht: Pro Jahr sparen sie zusammen zirka 134 Tonnen CO2 ein. Voraussichtlich im ersten Quartal 2015 wird eine neue BMM-Runde beginnen. Die Teilnahme an dem etwa zehn Monate dauernden Förderprogramm ist für Betriebe aus der Landeshauptstadt und dem Landkreis München kostenlos. Bisher haben sich 54 Münchner Betriebe am Programm beteiligt. Interessierte Unternehmen berät Roland Hösl vom Referat für Arbeit und Wirtschaft, Telefon 2 33-2 55 06, roland.hoesl@muenchen.de.

Per App gegen die Wegwerfkultur

Der Kampf gegen den Lebensmittelmüll ist eröffnet. In den großen Städten verkaufen kleine Läden sehr erfolgreich Brot und Backwaren von gestern. Namhafte Speiseeishersteller optimieren ihre Fertigungsmaschinen und können so den Ausschuss von Eis reduzieren. Foodsharing.de hat auf seiner Plattform über 46.000 aktive Benutzer, die beispielsweise übrig gebliebene Lebensmittel verschenken oder tauschen. Ergebnis des digitalen Miteinanders: Bisher wurden mit Hilfe der Internetplattform über 39 Tonnen Lebensmittel gerettet.

FoodLoop Translated Marketing Video from FoodLoop – Save it all! on Vimeo.

Die Sensibilität der Deutschen gegenüber der Nahrungsmittelverschwendung nimmt zu. Wenn der Verbraucher mit seinem Einkaufswagen auf Shoppingtour geht, zeigt er seit neuestem Interesse an Lebensmitteln, bei denen in ein paar Tagen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abläuft und der Preis dementsprechend reduziert ist. Nur so ist es zu erklären, dass immer mehr heruntergesetzte Ware in den Supermarktregalen zu finden ist. War es bisher schlichtweg nur Glück, wenn eine Hausfrau beim wöchentlichen Einkauf über den in zwei Tagen „ablaufenden“ Joghurt gestoßen ist, so könnte in Zukunft eine gezielte Navigation per Smartphone zu den reduzierten, in Kürze ablaufenden Lebensmitteln führen.

Lebensmittel verkaufen statt entsorgen
FoodLoop heißt die lebensmittelrettende Idee: eine neue App, von einem achtköpfigen Team aus motivierten Informatikern, Designern, Wirtschafts- und Medienwissenschaftlern entwickelt. „Unser Ziel ist es, zu einer signifikanten Reduzierung vermeidbarer Lebensmittelabfälle im Einzelhandel beizutragen, dem Verbraucher transparente Preise zu bieten, die Verluste der Einzelhändler zu reduzieren und vor allem eine nachhaltige Wertschöpfungskette zu fördern“, sagt Christoph Müller-Dechent, Gründer von FoodLoop. Mit der App stelle sein Team die erste Cloud-basierte Online-Plattform bereit, um Produkte nahe dem Mindesthaltbarkeitsdatum automatisch und in Echtzeit über die angebundene Smartphone-App zu vermarkten. „Mit Hilfe von FoodLoop kann der Konsument alle Angebote in seiner Umgebung sehen, durchstöbern oder nach konkreten Produkten und Märkten suchen. So wird eine vorzeitige Entsorgung von Frischwaren vermieden und Konsumenten bekommen einen Anreiz, Ressourcen zu sparen.“

Klingt ermutigend und auch die Technik überzeugt. Das Kölner Tüftler-Team hat zahlreiche Preise und Nominierungen eingeheimst. Anfang diesen Jahres gab es beim internationalen Innovationswettbewerb von FI-WARE in der Kategorie „Smart Business & Industries“ den ersten Platz. Ganz aktuell erhalten Müller-Dechent und seine Mannen das EXIST-Gründerstipendium. Soviel Anerkennung motiviert.

An der verbraucherfreundlichen App wird gerade der letzte Feinschliff vorgenommen. Christoph Müller-Dechent: „Aktuell wird unser System in Bergfeld´s Biosupermärkten getestet. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit haben wir bereits eine Menge konstruktives Feedback von Testnutzern erhalten.“ Nach erfolgreicher Durchführung der Pilotphase werde man eine sogenannte Life-Cycle-Analyse mit belastbaren Zahlen zu potentiellen Umweltentlastungen und Kostenvorteilen veröffentlichen. Der „Public Launch“ in zwei Supermarktfilialen in Bonn sei für Oktober 2014 angesetzt.

Akzeptanz bei den Einzelhandelsketten ausstehend
Was denken eigentlich die „Big Player“, also die Großen der Supermarktketten, über das neue Startup? Müller-Dechent ist direkt auf die betroffenen Einzelhändler und Entscheidungsträger der Lebensmittelindustrie zugegangen. „Das Ergebnis war, dass die täglich entsorgten Mengen an genießbaren Lebensmitteln sogar größer waren als erwartet und die Gesprächspartner daher großes Interesse an einer Lösung bekundeten.“

Dennoch sei die Kommunikation mit Großkonzernen häufig sehr zäh und langwierig, vor allem in der Lebensmittelbranche besteht ein Ungleichgewicht der Marktmacht zugunsten der Einzelhandelsketten als sogenannte „gatekeeper“ der Branche. „Außerdem ist seitens des Einzelhandels oft kein ausreichender Anreiz vorhanden, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Verluste durch Bruch und Verderb werden alternativen Verwendungszwecken wie Biogasanlagen zugeführt und Inventurdifferenzen schlicht als Abschriften in der Bilanz erfasst.“

Dennoch hat der studierte Medienwissenschaftler ambitionierte Ziele: „Unsere Vision ist es, dass bis 2020 alle Supermärkte der Welt mit FoodLoop ausgestattet sind und wir gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung kämpfen.“ Dafür gibt es auch eine Lösung, nämlich eine schon bestehende, strategische Partnerschaft mit der SAP AG, dem weltweiten Marktführer von Warenwirtschaftssystemen.